Moret Triathlon

Noch vor zwei Wochen glaubte ich nicht im Traum daran, so lange schwimmen zu können und doch habe ich letzten Sonntag tatsächlich eine sogenannte Mitteldistanz gefinished.

Einfach ist anders, aber ich habe unendlich viele schöne Erfahrungen sammeln können.

Als erste Disziplin war 2 km Schwimmen im See – und zum Start musste man schon hinschwimmen! Ich war nicht wirklich begeistert, aber was sollte ich tun, immerhin konnte ich ja dort kurz verschnaufen… und natürlich die Strecke klären: „Du musst zuerst da um die Kurve schwimmen und dann um die gelbe Boje rechts rum und dann um die nächste gelbe Boje links rum und dann zur orangenen Boje, die dann von links anschwimmen und drum herum.-..“ Ich verstand nichts. Am Schluss sagten alle:  „Ach, einfach nur der Masse nach!“ Leider kann ich nur recht langsam schwimmen und nach einer halben Stunde war die Masse nicht mehr zu sehen. Und da machte ich die Erfahrung, dass es auch sehr lustig sein kann, hinten zu sein: neben mir war ein kleines Kanu mit einem netten Typ drin. „Wo muss ich denn hinschwimmen?“ fragte ich. Darauf er: „Siehst du die organgene Boje da hinten? Da muss Du hin und dann kannst Du nochmal fragen.“ Sehr bequem, also fragte ich auch bei der nächsten Boje nach dem Weg und kam tatsächlich am richtigen Ufer an.

Dort empfingen mich immer noch liebe Leute, die mir versicherten, dass ich tatsächlich innerhalb des Zeitlimits mein Schwimmen gepackt hatte und ich durfte überraschenderweise aufs Rad. 91 Kilometer Rad lagen vor mir und ich war total glücklich, dass ich das Schwimmen gepackt hatte. Nie hätte ich geglaubt, dass ich tatsächlich unter einer Stunde diese 2,0 Kilometer schaffen würde.

Nun wartete die Radstrecke auf mich. 91 km mit 1000 Höhenmeter klang nicht besondern entspannt, so oft war ich diese langen Distanzen noch gar nicht gefahren und der erste Berg ließ nicht lange auf sich warten. Erst später merkte ich, dass der vermeintliche  erste Berg ja noch gar kein Berg gewesen war, sondern dass dies die lange Gerade war, aber egal. Einige Kilometer ging es heftig bergauf, also kleinster Gang hinein und hoch gekrabbelt.  Vor mir war ein älterer Radfahrer, den ich spielend überholte, aber nach ein paar hundert Metern war er wieder vor mir. Ok, ich bin halt Freizeitsportler, kein Profi, dachte ich. Dann begleitete mich ein Auto eine ganze Zeit lang und ich wunderte mich, warum das Auto nicht an mir vorbeifuhr. Ich winkte also, dass er an mit ruhig vorbei käme, aber er wollte nicht, merkwürdig. Auf mein vermehrtes Winken fuhr er neben mich und meinte, er kann nicht vorbei, denn er ist der Besenwagen. Darauf ich: „Und was machst Du denn dann bei mir? Der da vorne, der ältere Herr, der ist viel langsamer als ich!“ Das Gehirn setzt nun mal bei längeren Strecken teilweise aus, daher war es mir im Moment vollkommen klar, dass der Herr vor mir unbedingt langsamer sein müsste war als ich. Ich schien auf jeden Fall überzeugend zu sein, dann der Besenwagen setzte sich hinter den Herrn und verschwand nach vorne mit ihm. Ich fuhr also mein Pensum ohne Besenwagen, nur nach einer bestimmten Weile bemerkte ich eine Radfahrerin hinter mir.

Sie fuhr sehr nah bei mir und sie überholte nicht. Ich fuhr schneller und sie war da, ich fuhr langsamer und sie war immer noch da. Irgendwann drehte ich mich um und sah: sie hatte eine Warnweste an, sie schien also vom Organisationsteam zu sein. Eine Stunde später fragte ich sie dann, was sie macht und sie: „Ich bin das Besenfahrrad, ich begleite den letzten Fahrer“ „Aber Du begleitest mich!“, meinte ich sehr schlau. „Ja, Du bist der letzte Fahrer im Rennen!“ Uiih, peinlich, dachte ich, denn eigentlich waren im Wasser noch so einer oder zwei hinter mir gewesen – dachte ich zumindest. Nun ja, was soll ich sagen, erst hat es genervt, später war es total schön, wir unterhielten uns und in der allerletzten Runde fuhr sogar die Polizei mit Blaulicht hinter mir her – um die restlichen Streckenposten zu informieren, dass das Rennen vorbei sei… Nun ja, ich machte das Beste daraus und lachte mit allen, war gut gelaunt – bis auf mein Knie.

Das Knie war vom Training etwas plötzlich hochtrainiert worden und schmerzte gerne mit einem punktgenauen inneren Stechen. Genau bei km 30 stellte sich dieser blöde Schmerz wieder ein. Ich kannte das schon und wusste, in ein paar Kilometern würde ich mit meinem linken Bein nicht mehr drücken können und in schätzungsweise 30 weiteren Kilometern würde das Bein schon weh tun, wenn es einfach auf dem Rad mit duddelt – an Laufen gar nicht zu denken!

„Was tun? „, fragte ich mich und erinnerte mich an meine eigene Hypnoseausbildung: Ich begann mich auf dem Rad während des Fahrens in Trance zu versetzen und fragte meine innere Weisheit nach Lösungen. Diese beantwortete die Fragen mit idiomotorischen Fingercodes (ich erkläre das mal bei Gelegenheit). Sie zeigte mir einen recht großen spitzen Stein in meinem Knie, an dem die Muskeln vorbei mussten. „Hab ich jetzt Arthrose im Knie?“ dachte ich, aber das konnte ich ja später mal klären. Sie meinte, die inneren Zwerge könnten helfen und ich begann in meinem Innersten Zwerge zu suchen. Die Idee fand ich gut, denn Zwerge bauten ja in der Erde Steine und Geröll ab und da wäre so ein Stein im Knie doch ein Klacks. Daher war ich froh, als ich meine inneren Zwerge fand.  Diese meinten auch, dass der Stein störte, aber es wäre ja heute Sonntag, daher würden sie heute nicht arbeiten (ist das Unterbewusstsein nicht unendlich lustig???) Später konnten wir uns trotz Sonntag darauf einigen, dass sie den Stein einfach etwas zur Seite räumen würden, damit er weniger stört. 10 Minuten später war der Schmerz fast komplett verschwunden!!!!

Tatsächlich kam ich relativ gut mit Polizeischutz und Besenfahrrad als letzter zur Laufstrecke und wollte eigentlich aus dem Rennen aussteigen. Ich war unendlich Stolz auf mich, das Schwimmen hingekriegt zu haben und war auch stolz auf mich, dass ich 91 km mit diversen Hügeln und Bergen fahren konnte. Ich wusste genau, die 21 km Laufen würden lang werden.

Also dankte ich meinem Besenfahrrad und meinte, ich würde jetzt aufhören. „Aber nein, das kannst Du nicht machen, Du bist gut in der Zeit, das kannst Du noch prima schaffen!!! Mach doch nur mal eine Runde, dann weißt Du, wie es sich anfühlt. Und wenn es sich überraschender Weise gut anfühlt, dann noch eine Runden und dann hast Du schon die Hälfte vom Laufen!!!“ Nun, was soll ich sagen, sie war echt überzeugend und ich versprach ihr, dass ich eine Runde laufe – und dann aufhöre!“

So ging ich auf die Laufstrecke. Und dann stand wieder ein anderer Radfahrer vor mir und meinte: „Ich übernehme dann jetzt, ich bin das Besenfahrrad, ich begleite den letzten Läufer!“ Na toll, wieder Begleitschutz… aber ich machte ihm gleich klar, dass ich nur eine Runden laufen wollte und dann aufhöre. „Ja, ok, ich hab Zeit“, meinte er und fuhr hinter mir. So lief ich der Laufstrecke  entgegen: 21 km halb in der knallenden Sonne, halb im Wald, wo die Bremsen hinter einem her waren – man musste sich in beiden Bereichen beeilen… und merkwürdiger Weise konnte ich laufen. Ich lief ebenso, wie ich den Obermain Marathon durch gezogen hatte- ich war echt überrascht, ich konnte sogar  gut laufen sogar nach 91 km Rad. Meine Zwerge waren echt gute Arbeiter! Das bemerkte auch mein Radfahrer: „Ich finde, es läuft eigentlich echt rund bei Dir“ – Mist, das hatte ich auch bemerkt und am Ende der ersten Runde lief ich zu gut, um aufzuhören, also weiter. Vier Runden musste man laufen. Auch die zweite Runde ging, ich konnte auch gut Banane essen (denn der Magen knurrte…). In der dritten Runde bemerkte ich einen älteren Herrn vor mir (war das immer der Gleiche?) und sagte zu meinem Radfahrer: „Der läuft aber nicht so mehr so ganz gerade.“ „Und das ist der Grund, warum ich Dich jetzt alleine laufen lassen muss – du bist nicht mehr letzter Läufer, Du hast ihn überrundet – er ist jetzt der letzte Läufer!“ Schade – ich hatte mich jetzt doch so an meinem Begleitschutz gewöhnt, dass es gar nicht mehr so lustig alleine war. Zum Glück kannten mich alle Moderatoren „Hier kommt die Eva, die zeigt uns heute, dass sie im Zeitlimit noch ins Ziel kommt!!!“ Mist, das Zeitlimit, das hatte ich ganz vergessen. „Du hast jetzt noch 1:15 für 10 km“, schrie mir Tristan zu und rückte mir alkoholfreies Bier in die Hand – „DAS SCHAFFST DU!“ Also durfte ich nicht rumblubbern, sondern musste schon laufen. Schnell laufen ging nicht mehr, aber immerhin, ich kämpfte, kippte mir Wasser über Kopf, Arme und Körper und lief weiter. Inzwischen kannten mich alle Zuschauer ( es war ja auch gefühlt niemand mehr auf der Strecke außer mir…), die Kids riefen immer: „Da kommt die Eva wieder!“ und auch die Moderatoren freuten sich über irgendjemanden, der mal noch an ihnen vorbei lief.

Die allerletzte Runde war schwer, ich musste mich beeilen und mein Körper war ausgelaugt. Die Hände und Unterarme wurden dick, die Hände prickelten – ein Zeichen von Elektrolyt-Unterversorgung, allmählich gingen die Muskeln zu und meine Zehen krampften. Es wurde echt beschwerlich. Plötzlich ein Rad von hinten: mein Besenradfahrer war wieder da! Der ältere Herr war am Zeitlimit gescheitert. Ich war jetzt noch alleine auf der Strecke und somit wieder letzter Läufer. 7:45 war das Zeitlimit zum Einlaufen und ich wusste, ich schaffe es nicht: ich überzog mit 2 Minuten und kam mit 7h:47min ins Ziel und das war auch noch offen – ich wurde letzter offizieller Finisher des Moret Triathlons!!!

Tatsächlich konnte ich weder gehen noch stehen und fiel auf den Rasen. Dort versorgte mich Tristan mit alkoholfreiem Bier, Wassermelone, Banane und was weiß ich nicht mehr alles. Herrlich, dort im Rasen zu sitzen und sich nicht bewegen zu müssen!

Ich hatte 2,0 km geschwommen, 91 Km Rad gefahren und 21 km gelaufen.

Ich hatte mich selbst überrascht, dass ich es kann…

Vielen Dank an alle, die an mich geglaubt haben

Danke Tristan, dass Du mich so angefeuert hast.

Und: Danke an meine Besenfahrrad-Mannschaft:

ohne Euch hätte ich es niemals geschafft!!

Ihr leistet tolle Arbeit

<3